Ausführlicher Bericht: Informationsveranstaltung zum Ankunftszentrum Wieblinger Wolfsgärten

Veröffentlicht am 27.11.2018 in Gemeindenachrichten
Das Podium

Um Fragen aus der Bürgerschaft aufzunehmen und konkrete Information zum möglichen Neubau eines Ankunftszentrums auf dem Gelände der Wieblinger Wölfsgärten zu liefern, richtete die SPD-Wieblingen eine Informationsveranstaltung zu diesem Thema aus.

Zunächst schilderte Markus Rothfuß als Vertreter des Regierungspräsidiums Karlsruhe und Leiter des zukünftigen und auch derzeitigen Ankunftszentrums im Patrick Henry Village (PHV) welche Alternativstandorte für das Ankunftszentrums geprüft wurden und warum nun der Standort in den Wolfsgärten favorisiert wird. Neben organisatorischen, denkmalschutzrechtlichen und baulichen Gründen wurde maßgeblich die Verfügbarkeit des kommunalen Geländes angeführt. Das Gelände im Gewann Wolfsgärten würde der Prüfung nach genug Raum bieten und die Verkehrsanbindung sei realisierbar.

Diese Ansicht stieß bei vielen Gästen im Publikum jedoch auf große Skepsis. So sei das Gelände momentan nur unzureichend erschlossen und allein durch eine schmale Autobahnunterführung zu erreichen, was zu einem Nadelöhr für Personen- und Lieferverkehr würde. Als vorrangiges Problem, so Markus Rothfuß, werde die Lärmbelästigung durch die nahe Autobahn und Bahnstrecke gesehen. Mia Lindemann, Vorsitzende Asylarbeitskreis Heidelberg e.V., sowie viele Wieblinger Bürger, die sich an diesem Abend zu Wort meldeten, erwiderten, dass sie diesen Standort für inhuman halten. Enge, Lärm und Abgeschiedenheit würden die dort ankommenden Menschen stark belasten und dem Image Heidelbergs als tolerante und solidarische Stadt nicht entsprechen.

Pfarrerin Sigrid Zweygart‐Pérez, die in der Flüchtlingsseelsorge aktiv ist, erklärte, dass eigentlich niemand der Beteiligten das PHV verlassen wolle und den dort etablierten Standort bevorzuge. Sie wies außerdem auf die Verantwortung des Gemeinderates in der Standortfrage hin. Dies wiederum wurde von mehreren anwesenden Mitgliedern des Gemeinderates, unter anderem von Anke Schuster, der Fraktionsvorsitzenden des SPD im Gemeinderat und Moderatorin der abendlichen Diskussion, aufgenommen. Der Gemeinderat fühle sich durch diese Standortoption überrumpelt, zu spät und unzureichend informiert. Simone Schenk, Stadträtin der Freien Wähler Heidelberg, beklagte ebenfalls die schlechte Informationslage und bedankte sich ausdrücklich bei der SPD Wieblingen für diese frühzeitige Informationsveranstaltung. SPD-Fraktionsvorsitzende Anke Schuster betonte  sich keinem Zeitdruck hingeben zu lassen sondern sowohl den vorgeschlagenen Standort in Wieblingen als auch Alternativen zu prüfen. Menschlichkeit müsse entscheidender Antrieb für die Standortwahl sein, einen inhumanen Standort werde man nicht zulassen. Auch Pfarrerin Sigrid Zweygart‐Pérez drängte bei der Diskussion darauf die Sicherheit der Geflüchteten im Blick zu behalten und die geschaffenen Strukturen hier in Heidelberg zu erhalten.

Zum Thema Anwohnersicherheit, das auch bei einigen Fragen aus dem Publikum angesprochen wurde, berichtete Adrian Rehberger von seiner Arbeit als Leiter des Polizeireviers im PHV, über die enge Zusammenarbeit mit allen beteiligten Behörden und Organisationen. Er betonte, dass das Gros der Ankommenden unauffällig ist und das die Polizei mittlerweile effektive Möglichkeiten entwickelt habe die kleine Gruppe von auffälligen Delinquenten und Kriminellen zu identifizieren, kontrollieren und frühzeitig festzusetzten. Podiumsteilnehmer und Leiter des Polizeireviers Heidelberg‐Süd/Kirchheim, Torben Wille, versicherte, dass auch am neuen Ankunftszentrum wieder eine Polizeiwache entstehen werde. Man habe aus den Erfahrungen in Kirchheim viel gelernt und werde das Nötige tun um ein friedliches Miteinander mit den Nachbarn einschließlich der landwirtschaftlichen Flächen zu gewährleisten. Einen Shuttlebus-Service werde man am neuen Standort von Beginn an einrichten. Er bekräftigte, dass viele Gerüchte um die Anfangszeit des Ankunftszentrum in Kirchheim nicht der Wahrheit entsprächen und führte dies auf eine schlechte Informationspolitik zurück. Diesen schweren Fehler werde man garantiert nicht wiederholen und bezeichnete die von Monika Meißner und der SPD Wieblingen organsierte Veranstaltung als ersten sehr guten Schritt zur frühzeitigen Öffentlichkeitsaufklärung.

Dieser Einschätzung schloss sich Diskussionsführerin Anke Schuster an und dankte speziell unserem Ortsverein für diese Gelegenheit des Austausches und beendete die Veranstaltung mit dem Versprechen im Gemeinderat diese Diskussion weiterzuführen, die Debatte zuzulassen und alle Aspekte im Sinne des menschlichen Miteinanders genau zu prüfen.

Publikum